70er Jahre: Frauenpolitik = Familienpolitik?

Frauenpolitik galt in den 70er Jahren und weit darüber hinaus – auch im Verständnis vieler Frauen – als identisch mit Familienpolitik, wurde doch die Frau primär von ihrer möglichen Mutterschaft und einer tradierten Familienrolle her gedacht. Familienpolitik war seit jeher politisch und zudem ideologisch hoch aufgeladen; im Kern ging es neben der Bevölkerungspolitik auch um die Arbeits- und Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern, ganz real im alltäglichen Leben von Frauen und Männern.
1978 beschäftigte sich der LFR mit „Familie in der Krise – Möglichkeiten ihrer Überwindung“ und kam u. a. zu folgendem Ergebnis:
„Immer mehr Frauen verweigern Eheschließung und Kindererziehung, weil sie sich der dreifachen Belastung als Hausfrau, Mutter und Berufstätige nicht gewachsen fühlen. Nur wenn Mann und Frau sich partnerschaftlich die Familienaufgaben teilen, werden junge Frauen wieder eher bereit sein, Kinder aufzuziehen.“
Vor allem sozialpolitische Themen sind bestimmend im ersten Jahrzehnt des Landesfrauenrats, Themen von Tagungen lauteten beispielsweise:

  • „Ausländische Arbeitnehmerinnen bei uns“ (1972)
  • „Vorsorge und Lebenserwartung“ (1973)
  • „Lehrlinge heute“ (1974)
  • „Rentenrecht und Rentenreform“ (1975)
  • „Probleme des Strafvollzugs“ (1976)
  • „Recht und Verantwortung von Eltern und Kindern“ (1978)
  • „Der Einfluss der Arbeitswelt von Vater und Mutter auf die Familie“ (1979)
  • Aber auch der „Umweltschutz“ (1972) und „Die Frau in der Werbung“ (1977) beschäftigten die Verbände.
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