Nachhaltigkeit und Geschlechtergerechtigkeit

Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik sind nicht geschlechtsneutral. Frauen sind als Produzentinnen, z.B. in der Landwirtschaft, als Konsumentinnen, als Energienutzerinnen, als Entscheiderinnen, z.B. in der Kommunalpolitik, und auch von gesundheitlichen Folgen auf vielfache und spezifische Art betroffen. Mit mehreren Beschlüssen forderten die Delegierten der LFR-Mitgliedsverbände die Landesregierung auf, bei der z.B. im Koalitionsvertrag 2011 vereinbarten ökologischen und sozialen Modernisierung des Landes zugleich Geschlechtergerechtigkeit zu gewährleisten, und zwar bei der Mittelverwendung (> Gender Budgeting), der Beteiligung an Entscheidungsprozessen und bei der Umsetzung von Maßnahmen (> Gender Mainstreaming).

Der LFR arbeitet bereits seit 2007  in den jeweils von den Landesregierungen  einberufenen Gremien der  Nachhaltigkeitsstrategie des Landes mit – und bringt das Thema Gender und Nachhaltigkeit aktiv ein. Angelika Klingel wurde 2012 als Vorsitzende des LFR in den Nachhaltigkeitsbeirat berufen; ihre Nachfolgerinnen Manuela Rukavina und Charlotte Schneidewind-Hartnagel wurden als Erste Vorsitzende des LFR  ebenfalls in den Beirat der Landesregierung für nachhaltige Entwicklung berufen.
Der von der grün-roten Landesregierung 2012 eingerichtete Beirat für nachhaltige Entwicklung ist das Beratungsgremium der Landesregierung zu allen Fragen nachhaltiger Entwicklung im Land. Dem Beirat gehören 43 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft an.

In ihrer ehrenamtlichen Funktion als Vorsitzende des Landesfrauenrats ist für Charlotte Schneidewind-Hartnagel die Umsetzung der Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Bereichen nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch die Voraussetzung und der Motor für nachhaltige Entwicklung und die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft.
Charlotte Schneidewind-Hartnagel wird als Vertreterin der Frauenverbände des Landes bei allen Schwerpunktthemen des Nachhaltigkeitsbeirats deshalb auch die Dimensionen Geschlechtergerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Entwicklung einbringen. Bestärkt sieht sie sich mit diesem Ansatz von der 2016 in Kraft getretenen Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der UN. Geschlechtergleichstellung ist unabdingbar für eine nachhaltige Entwicklung, diese Erkenntnis hat die Staatengemeinschaft in Ziel 5 ihrer Nachhaltigkeitsagenda deutlich ausgeführt, das Ziel lautet: „Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen“. Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der UN gelte es nun auch in Baden-Württemberg konkret in eine Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung in Baden-Württemberg umzusetzen, so Schneidewind-Hartnagel.

Der Landesfrauenrat arbeitet bereits seit mehr als 10 Jahren in verschiedenen Gremien der jeweiligen Landesregierungen zu verschiedenen Dimensionen von Nachhaltigkeit mit und verfügt über eine umfangreiche Expertise zur Verbindung von ökologischer und sozialer Modernisierung.

Grundlage der Mitarbeit des Landesfrauenrats bildet insbesondere der Beschluss der Delegiertenversammlung vom November 2012:
Der Landesfrauenrat Baden-Württemberg fordert den Landtag und die Landesregierung auf, bei der Überarbeitung der Ziele und der Entwicklung von landesweit gültigen Indikatoren für eine nachhaltige Entwicklung in Baden-Württemberg die Querschnittsaspekte
Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit,
Herstellung von sozialer Gerechtigkeit,
Partizipation und demokratische Entwicklung
jeweils in den ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimensionen explizit auszuarbeiten.
Im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie muss sich Zukunftstauglichkeit auch an der Umsetzung des Gender Mainstreaming Prinzips messen lassen. Bereits formulierte Ansätze (z.B. in der „Nachhaltigkeitsprüfung“) sind konsequent umzusetzen und weiter zu entwickeln.

Bei der Entwicklung zukunftsfähiger Technologien beinhaltet der Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit u. a. die Forderungen nach: Mehr Frauen in MINT-Berufen – als Mit-Entwicklerinnen von Technik, mehr Frauen in Hochschulen als Lehrende, mehr Frauen in Führungspositionen der Forschung und die Integration der Gender-Dimension als Inhaltsqualität in Forschungs- und Entwicklungsvorhaben für Technologien, bei Produkten und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage hat der LFR u.a. Stellung bezogen zum: Weiterentwicklungsgesetz des Karlsruher Instituts für Technologie (Stellungnahme 2012).

TIPP
Weiterführende Informationen zu Genderaspekten in den verschiedenen umwelt- und nachhaltigkeitsrelevanten Themenbereichen bietet GENANET , ein bundesweites Frauenetzwerk.

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