Pressemitteilungen

Hier finden Sie die Pressemitteilungen des LFR seit dem Jahr 2012.

Pressemitteilung des Landesfrauenrates Baden-Württemberg – Geschlechtergerechte Sprache behält Frauenrechte im Blick

4.  August 2020
Geschlechtergerechte Sprache behält Frauenrechte im Blick
Frauen fordern seit Jahrhunderten sprachliche Sichtbarkeit und politische Partizipation. Die fehlende Präsenz von Frauen in Parteien, Parlamenten, Führungspositionen und entscheidungsgebenden Gremien zementiert die ungleiche Verteilung von Macht, Verantwortung und Einflussnahme zwischen den Geschlechtern.
Gesellschaft lebt von vielfältigen Perspektiven, die sprachlich angemessen ausgedrückt werden müssen. Oft wird nur die maskuline Form geschrieben, die feminine nur mitgemeint. Dies widerspricht häufig der Realität, da in den meisten Bereichen unserer Gesellschaft alle Personen, unabhängig davon welches Geschlecht sie haben, präsent sind.
„Durch Sprache wird Denken beeinflusst. Es entstehen Bilder in unseren Köpfen.  Alle Geschlechter zu nennen, drückt aus, dass Frauen und Männer gleichbehandelt werden sollen. Damit sich Frauen angesprochen fühlen, sollten sie auch explizit genannt und somit sichtbar und hörbar werden,“ so die Erste Vorsitzende des Landesfrauenrates Prof. Dr. Anja Reinalter.
Nur wenn alle Geschlechter im Reden und Denken präsent sind kann den unterschiedlichen Lebensverhältnissen von Männern und Frauen gleichermaßen gerecht werden. Geschlechtergerechte Sprache drückt die Wertschätzung aller Menschen aus und trägt zur Überwindung von Ungleichheiten bei.

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Pressemitteilung des Landesfrauenrates Baden-Württemberg – Bundesregierung beschliesst Gleichstellungsstrategie

Männer und Frauen sind gleichberechtigt (GG 3.2)
Bundesregierung beschliesst Gleichstellungsstrategie

Der Landesfrauenrat Baden-Württemberg begrüßt die ressortübergreifende Strategie der Bundesregierung zur Gleichstellung – gerade in der durch das Corona Virus vielfach schwierigen und belastenden Zeit für Frauen und Mädchen.

Prof. Dr. Anja Reinalter, die Erste Vorsitzende des Landesfrauenrates Baden-Württemberg, sagt in Stuttgart: “wir fordern Strukturen, die dafür sorgen, dass Frauen geschlechtergerecht aus der Krise gehen können und sich – neben der Fürsorgearbeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf –  um ihre eigenständige Existenzsicherung und Karriereentwicklung kümmern können. Sie dürfen nicht die Verliererinnen sein, die abgehängt und wieder in längst überholt geglaubte Geschlechterrollen zurückgedrängt werden.

Die Gleichstellungsstrategie der Bundesregierung kann gerade zum jetzigen Zeitpunkt, der die Auswirkungen der Corona Pandemie in allen gesellschaftlichen Bereichen langsam offenlegt, auch dazu beitragen, Chancengleichheit von Frauen und Männern tatsächlich umzusetzen und Debatten nicht mehr geschlechterblind zu führen.

Unserer Forderung, in der Strategie verbindliche Zielen festzulegen, um eine langfristige Perspektive auf Geschlechtergerechtigkeit festzuschreiben, ist jedoch keine Rechnung getragen worden.“

 

 

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Gleichstellungsstiftung jetzt gründen!

Der Landesfrauenrat Baden-Württemberg unterstützt gemeinsam mit rund 85 zivilgesellschaftlichen Organisationen und 50 Privatpersonen als Erstunterzeichner*in den Aufruf des DF (Deutscher Frauenrat) und GMEI (Gender Mainstreaming Experts International) zur Gründung einer Gleichstellungsstiftung.

Aufruf Gleichstellungsinstitut DF GMEI

Wir fordern von den Mitgliedern des Deutschen Bundestages, das im Koalitionsvertrag festgehaltene Vorhaben noch 2020 auf den Weg zu bringen. Die Corona-Krise zeigt deutlich, dass politische Maßnahmen zum Umgang mit dem Virus die Lebenswirklichkeiten von Frauen und Mädchen vernachlässigen und auf längst überholt geglaubte Geschlechterrollen setzen. Deshalb brauchen wir dringender denn je eine Einrichtung, die gleichstellungspolitische Erfolge sichert, weiterentwickelt und so mithilft, einen Roll Back zu verhindern. Das wäre ein klares politisches Signal, Rückschritte in Sachen Gleichstellung nicht zu akzeptieren, sondern den Gleichstellungsauftrag aus dem Grundgesetz jetzt umso mehr umzusetzen.

Eine konsistente Frauen- und Gleichstellungspolitik braucht eine sichere Basis und über die Legislaturperioden hinweg stabile Strukturen. Die Gleichstellungsstiftung muss noch in diesem Jahr gegründet, in den Folgejahren aufgebaut und vor allem angemessen ausgestattet werden, um die Erfolge in der Gleichstellung zu schützen und weiterzuentwickeln.

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#wirbleibendran – paritätische Wahlrechtsreform jetzt !

Der Landesfrauenrat Baden-Württemberg fordert die Parlamentarier*innen im Bundestag auf, geschlechtergerecht über die Wahlrechtsreform zu beraten!

Artikel 3.2 des Grundgesetzes besagt, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Aber immer noch – und das über 100 Jahre nach der Verkündung des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes – ist die Umsetzung dieses grundgesetzlichen Auftrages in den Parlamenten auf Bundes- und Landesebene längst nicht erreicht. Mehr noch: der Frauenanteil im Bundestag befindet sich auf einem historischen Tiefstand.
Prof. Dr. Anja Reinalter, die Erste Vorsitzende des Landesfrauenrates Baden-Württemberg appelliert an die Parlamentarier*innen und sagt: „Wir fordern eine Wahlrechtsreform mit den Aspekten Geschlechtergerechtigkeit, Demokratie und Vielfalt. Eine paritätische Wahlrechtsreform stellt sicher, dass Frauen nicht nur wählen, sondern auch gewählt werden können. Frauen stellen die Hälfte der Wahlbevölkerung, sie müssen auch die Hälfte der Mandate einnehmen können.“
Es ist höchste Zeit für ein Paritätsgesetz!
#wirbleibendran

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PRESSEMITTEILUNG Zum Internationalen Tag der Familie am 15. Mai 2020 Interessen von Familien in den Fokus nehmen und mit höchster Priorität behandeln

Familien werden durch die Corona-Pandemie vor viele neue Herausforderungen gestellt.
Durch Kita- und Schulschließungen ist die institutionelle Betreuung der Kinder nahezu komplett weggebrochen, das bringt Familien und insbesondere Frauen oft an den Rand des Tragbaren. Durch Homeoffice, Homeschooling, Kinderbetreuung, Kochen, Putzen, Waschen und alle anderen mütterlichen und emotionalen Sorgearbeiten rückt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen wieder in immer weitere Ferne. Die Vereinbarkeit war schon vor der Pandemie nicht einfach zu realisieren, jetzt scheint sie strukturell unmöglich zu sein.
Die Erste Vorsitzende des Landesfrauenrates Prof. Dr. Anja Reinalter merkt dazu an: „das Familienleben soll neben der Erwerbstätigkeit reibungslos verlaufen; das funktioniert jedoch nur, weil es zu Lasten der Frauen geht. Das traditionelle geschlechter- und familienpolitische Leitbild, das dem Mann die Rolle eines Familienernährers und der Frau die Zuständigkeit für die Sorgearbeiten zuschreibt, wirkt nach wie vor in vielen Köpfen und wird jetzt wieder reaktiviert. Wir erleben einen Backlash der frauenpolitischen Errungenschaften. Wenn die Krise noch Monate andauert, werden Frauen ihre eigenständige Existenzsicherung durch Erwerbseinkommen und ihre Karriereentwicklung aufs Spiel gesetzt haben, denn sie sind diejenigen, die zu Hause bleiben. Der Staat sollte Anreize setzen, dass die Reduzierung der Arbeitszeit zwischen beiden Elternteilen chancengleich erfolgen kann.“
Der Landesfrauenrat fordert die Politik dazu auf, die Interessen von Familien und insbesondere berufstätigen Müttern in den Fokus zu nehmen und mit höchster Priorität zu behandeln. Es braucht sinnvolle Konzepte, um Abhilfe bei spezifischen, durch die Corona-Pandemie bedingten Mehrfachbelastungen, zu schaffen.
In diesem Sinne unterstützt der Landesfrauenrat auch den Forderungs-Katalog des DGB an die Landesregierung in seiner Pressemitteilung vom 14. Mai 2020.

Kontakt:

Corinna Schneider Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit                       Telefon: 0711/621135

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Pressemitteilung zum “Muttertag” am 10.05.2020 #SchutzStattBlumen

Der Landesfrauenrat Baden-Württemberg fordert eine konsequente Umsetzung der Istanbul Konvention, um Frauen und ihren Kindern den nötigen Schutz vor häuslicher und sexualisierter Gewalt zu ermöglichen!
Anlässlich des „Muttertages“ am 10. Mai 2020 fordert der Landesfrauenrat, dass Frauen in Baden-Württemberg ein Recht auf die seit über zwei Jahren ausstehende konsequente Umsetzung der Istanbul Konvention haben.
Frauen – und vor allem Mütter – sind besonders stark durch die Corona Pandemie betroffen, weil sie sowohl in privaten als auch in beruflichen Bereichen viele neue Herausforderungen gleichzeitig bewältigen müssen. Die Kontaktbeschränkungen, finanzielle Einbußen und der verstärkte Aufenthalt in häuslichen Gemeinschaften führen zu Konfliktsituationen zwischen Ehe- und Lebenspartnern sowie Eltern-Kind-Beziehungen. Beim bundesweiten Hilfetelefon 0800-0116016 „Gewalt gegen Frauen“ hat die Nachfrage nach Beratungen zu häuslicher Gewalt um 17,5 Prozent gegenüber den letzten zwei Wochen zugenommen.
Die Erste Vorsitzende des Landesfrauenrates Prof. Dr. Anja Reinalter mahnt an, dass der „Muttertag“ am 10. Mai auch der Tag sein sollte, der ins öffentliche Bewusstsein ruft, dass es niemals hinnehmbar ist, wenn Frauen, Kinder und Jugendliche Opfer von Gewalt werden. „Gerade in der jetzigen Situation ist es besonders wichtig, dass wir genau hinsehen und sensibel für Konflikt- und Gewaltsituationen sind. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass die von Gewalt betroffenen Frauen, Kinder und Jugendlichen niedrigschwellig und schnell Hilfe und Unterstützung bekommen. Denn Gewalt darf nie verharmlost oder beschönigt werden! Und #Blumen lösen keine Probleme.“

#SchutzStattBlumen

Bildquelle: Prof. Dr. Kristina Wolff

 

Kontakt:

Corinna Schneider Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit                       Telefon: 0711/621135

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Gemeinsame Pressemitteilung des baden-württembergischen Bündnisses gegen Altersarmut – Bündnis gegen Altersarmut lehnt den Vorschlag der Rentenkommission ab !

Stuttgart, 27. März 2020 Gemeinsame Pressemitteilung des Bündnisses gegen Altersarmut
Bündnis gegen Altersarmut lehnt den Vorschlag der Rentenkommission ab !
Das baden-württembergische Bündnis gegen Altersarmut lehnt den Vorschlag der Rentenkommission ab. Die Sprecher*innen des landesweiten Bündnisses aus fast 40 Sozialverbänden, Gewerkschaften, zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Organisationen äußern sich zu dem Vorschlag wie folgt:
Martin Gross, ver.di-Landesbezirksleiter: „Das Ziel war es zu verhindern, dass das Rentenniveau auf 43 Prozent abfällt. Wenn der Vorschlag der Rentenkommission umgesetzt wird, könnte es nun sogar auf 42 Prozent fallen.“ Die Kommission schlägt einen Korridor von 44 bis 49 Prozent vor. Allerdings mit einer gravierenden Änderung der Rentenformel, die das Rentenniveau nochmals zusätzlich absenken würde. „Für die Bewältigung der Corona-Krise sind gerade Schnellschüsse nötig. Für die Rentenpolitik brauchen wir eine Lösung, die für Jahrzehnte trägt. Wir appellieren dringend an die Politik, jetzt nicht auf die Schnelle Lösungen auf Basis dieser Empfehlung mit dramatischen Konsequenzen für Millionen von Rentnerinnen und Rentnern umzusetzen“, so Gross.

Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg: „Das Rentenniveau weiter abzusenken, ist der falsche Weg, denn das verfestigt die soziale Ungerechtigkeit im System. Menschen müssen weiter Angst um eine auskömmliche Rente im Alter haben. Die Diakonie appelliert an die Politik, endlich die Grundlage des solidarischen Rentensystems zukunftsfähig zu gestalten. Alle Beschäftigungsgruppen müssen in diesen wichtigen Generationsvertrag einzahlen. Man kann nicht auf private und betriebliche Altersvorsorge setzen. Gerade Menschen mit geringem Einkommen können sich das nicht leisten.“

Roland Sing, VdK-Landesvorsitzender: „Der Sozialverband VdK Baden-Württemberg stellt fest, dass das Ergebnis der Beratungen der Rentenkommission in keiner Weise den künftigen Anforderungen einer stabilen und sozialen Rentenversicherung gerecht wird. Insofern kann das Ergebnis nur als blamabel bezeichnet werden. Bei der Zusammensetzung der Kommission vor zwei Jahren hätten die Sozialverbände berücksichtigt werden müssen. Ganz grundsätzlich geht es darum, Altersarmut für künftige Generationen zu verhindern. Deshalb können unsere Kinder und Enkel zu Recht erwarten, dass eine auskömmliche gesetzliche Rente – zur Bestreitung ihres Lebensabends in Würde – jetzt sichergestellt wird. Sie muss zu einer Erwerbstätigenversicherung unter Einbeziehung aller Berufstätigen ausgebaut werden. Dass die Rentenkommission dies nicht thematisiert hat, ist für uns nicht hinnehmbar.“

Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg: „Der Entwurf der Rentenkommission ist im Kern ein Weiter so wie bisher, das bei weitem nicht ausreichen wird, um die längst bekannten und enormen Herausforderung der Rentensicherung nachhaltig zu lösen. Der Steuerzuschuss in die Rentenversicherung macht schon heute fast ein Drittel des Bundeshaushalts aus. Und das Problem der wachsenden Altersarmut nimmt weiter zu. Verzagtes Verschieben des Problems auf weitere Beiräte und Kommissionen ist der falsche Weg. Wir brauchen jetzt gute Ideen und eine mutige Politik für eine grundlegende Reform. Dabei müssen alle Optionen ernsthaft geprüft werden und wirklich neue Wege für die solidarische Finanzierung der Rente erschlossen werden. Die Rente darf keine finanzielle Manövriermasse des Sozialstaats sein, wenn wir am Ziel einer sozial nachhaltigen Gesellschaft festhalten wollen. Deshalb lehnen wir auch alle derzeitigen Überlegungen ab, den Start der Grundrente wegen der Corona-Krise zu verschieben. Die Betroffenen brauchen gerade in diesen schwierigen Zeiten mehr Absicherung.“

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Pressemitteilung des Landesfrauenrates zum Equal Pay Day 2020 – 21 Prozent Gender Pay Gap sind genau 21 Prozent zu viel!

Pressemitteilung – Stuttgart, 17. März 2020
Landesfrauenrat Baden-Württemberg zum Equal Pay Day 2020
21 Prozent Gender Pay Gap sind genau 21 Prozent zu viel!
Der Gender Pay Gap markiert symbolisch die geschlechtsspezifische Lohnlücke, also den prozentualen Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern. 21 Prozent beträgt diese Lohnlücke aktuell und das sind genau 21 Prozent zu viel! Nach wie vor belegt Deutschland mit diesem Ergebnis einen der hinteren Spitzenpositionen im europäischen Vergleich.

Dass Frauen in ihren Berufen schlechter bezahlt werden als Männer entspricht seit langem der traurigen Realität. Die Erwerbstätigkeit von Frauen tritt häufig hinter der Familienarbeit, Kindererziehung und Angehörigenpflege zurück. Um diese Aufgaben zu bewältigen, kann eine Vielzahl von Frauen deshalb nur in eine Teilzeitstelle auf den Arbeitsmarkt zurückkehren. Dazu kommt, dass Frauen zu großen Teilen in schlechter bezahlten Berufsbranchen als Männer arbeiten, insbesondere im Gesundheits- und Sozialwesen, dem Handel, der öffentlichen Verwaltung und im Bereich Erziehung und Unterricht.

Dass Frauen auch jenseits ihrer Erwerbstätigkeit benachteiligt sind, hat erst in den letzten Jahren Einzug in die Debatte gehalten. „Diese Benachteiligung besteht aus der Tatsache, dass die weibliche Mehrarbeit im familiären Umfeld, im Freundeskreis und auch am Arbeitsplatz keine Entlohnung und nur eine geringe Wertschätzung erfährt. Die unzähligen „kleinen Tätigkeiten“, die Frauen täglich jahrein jahraus verrichten und die das Fundament einer solidarischen Gesell-schaft bilden, werden als selbstverständlich wahrgenommen und eingefordert“, so Prof. Dr. Anja Reinalter, die Erste Vorsitzende des Landesfrauenrates Baden-Württemberg in Stuttgart.
Zu der bestehenden ungleichen Bezahlung der Erwerbsarbeit von Frauen und Männern addiert sich die unbezahlte, oft aufreibende und strapaziöse Care-Arbeit im Privaten. „Das durch die Teilzeitarbeit, durch Unterbrechung der Erwerbsbiographie und durch geringfügige Beschäftigungen bedingte niedrige Einkommen führt zu einer niedrigen Rente im Alter und davon sind Frauen besonders oft betroffen“, betont Prof. Dr. Anja Reinalter, „nicht nur Alleinerziehende, sondern auch alleinstehende Frauen sind zum Teil viel häufiger vom Armutsrisiko betroffen als Männer. Frauen erhalten in Deutschland im Durchschnitt nur knapp 53 % der Renteneinkommen der Männer“.

Der Landesfrauenrat mahnt anlässlich des Equal Pay Day 2020 eine Abschaffung der Entgeltungleichheit und eine angemessene Anerkennung der privat geleisteten Sorgetätigkeiten an, die sich endlich auch in Entlohnung niederschlagen muss. Denn Geschlechtergerechtigkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für eine freiheitliche Demokratie.

Kontakt:

Corinna Schneider Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit Landesfrauenrat

Telefon: 0711/621135

 

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Pressemitteilung des Landesfrauenrates zum Internationalen Frauentag 2020 #DIE HÄLFTE

Internationaler Frauentag 2020 #DIEHÄLFTE
Wir fordern eine Änderung des Landtagswahlrechts hin zu einer paritätischen Liste!
Wir fordern, dass #DIEHÄLFTE der Kandidierenden für den künftigen Landtag Frauen sind!
Der Landesfrauenrat mahnt an, dass Frauen in Baden-Württemberg ein Recht auf Umsetzung von Gleichstellung, ein Recht auf Umsetzung der Landtagswahlrechtsreform und ein Recht auf angemessene Vertretung der Frauen bei den Kandidierenden für den künftigen Landtag haben.

Der Landesfrauenrat will mit seiner Transparenzkampagne dafür sorgen, dass keine Partei im kommenden Landtagswahlkampf „drum herum“ kommt, Position zu seinen Forderungen zu beziehen. Die Parteien nominieren bereits ihre Kandidierenden für den nächsten Landtag. Sie sollten wissen, dass sie dabei unter Beobachtung der Frauenverbände stehen. Denn diese fragen: befördern sie Kandidaturen von Frauen, werben sie für die Wahl von Frauen, setzen sie gleichstellungspolitische Themen auf ihre Wahlkampfagenda?

Bereits vor 30 Jahren hatte der Landesfrauenrat der damaligen Landesregierung vier Alternativen zur Reform des Landtagswahlrechts vorgelegt mit dem Ziel, den Frauenanteil im Landtag wesentlich zu erhöhen – der damalige Ministerpräsident selbst hatte 1987 dem LFR angetragen, mit diesem Ziel Vorschläge für eine solche Gesetzesänderung zu erarbeiten. In ihrem Schreiben an Ministerpräsident Lothar Späth (vom 28.07.1988) kamen die damaligen LFR-Vorsitzende zu folgendem Schluss:

„Wir glauben, es ist wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass es keinen anderen Weg gibt, den beschämend geringen Frauenanteil unter den Mandatsträgern zu erhöhen. Nur eine Quotenregelung – wie immer man sie nennen mag und wie immer sie ausgestattet ist – wird Veränderungen bewirken.“

Wir fordern #DIEHÄLFTE im zukünftigen Landtag, in der zukünftigen Regierung!

Kontakt: Corinna Schneider Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit LFR; Telefon: 0711/621135

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Pressemitteilung: Der Landesfrauenrat Baden-Württemberg wirbt für das Nordische Modell: Es garantiert seit zwanzig Jahren das Selbstbestimmungsrecht von Prostituierten

PM Nordisches Modell 12.12.2019

Offener Brief an die Herausgeber*innen des Positionspapiers „Unterstützung statt Sexkaufverbot“ vom 22.11.2019
Der Landesfrauenrat Baden-Württemberg wirbt für das Nordische Modell: Es garantiert seit zwanzig Jahren das Selbstbestimmungsrecht von Prostituierten


Sehr geehrte Damen und Herren,

der Landesfrauenrat Baden-Württemberg setzt sich nach intensiven Fachdebatten seit 2013 für das Nordische Modell ein. Mit Befremden haben wir Ihre aktuelle Positionierung zur Kenntnis genommen. Wir vermissen darin eine intensive Analyse der breiten Studienlage seitens der Europäischen Kommission, des Europaparlaments und schwedischer Forschungsliteratur.
Schweden ist das europäische Vorzeigeland für die Gleichstellung von Frauen und Männern, weil es konsequent gesellschaftliche Diskriminierungsstrukturen analysiert und aktiv bekämpft. Vor zwanzig Jahren wurden dort eine Vielzahl an Gesetzen geändert, um die Gleichstellung von Frauen und Männern zu fördern.
Für den Umgang mit Menschenhandel und Prostitution wurde das Nordische Modell entwickelt. Es beinhaltet das Verbot von Sexkauf, Zuhälterei und Bordellbetrieben. Menschen, die sich prostituieren, werden nicht kriminalisiert. Integraler Bestandteil des Nordischen Modells sind Ausstiegshilfen und gesellschaftliche Aufklärung über die psychische Bedeutung konsensualer (einvernehmlicher) Sexualität.
Das hat in Schweden nichts mit Moral zu tun, sondern mit Menschenrechten.
Das Nordische Modell hat Prostitution aus dem Dunkelfeld geholt und ins Hellfeld gerückt. Das Nordische Modell lenkt den öffentlichen Blick auf die Nachfrage, es verändert den Blick gegenüber Freiern und entstigmatisiert die Prostituierten.

Die Ergebnisse des Nordischen Modells sind im Auftrag der schwedischen Regierung evaluiert. Aufgrund der vielfältigen positiven Effekte hat die Europäische Kommission 2011 eine Richtlinie erlassen, die die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, der Nachfrage, die Menschenhandel begünstigt, entgegenzuwirken.
Der zuständige Ausschuss für Gleichstellung des Europaparlaments hat 2014 alle Mitgliedsstaaten aufgefordert, sich am Nordischen Modell zu orientieren. Zu den positiven Effekten des Sexkauf-Verbotes gehören eine Reduzierung des Menschenhandels und der damit verbundenen Gewalt gegen Frauen.
In Folge der in Deutschland gültigen Gesetzgebung boomt seit 2002 in der deutsche Prostitutionsmarkt. Profiteure* sind die Zuhälter, Bordellbetreibenden und Menschenhändler*. Die Nachfrage ist groß, damit steigt die Anzahl der Prostituierten. 80-95 % von Ihnen sind Ausländer*innen aus ärmsten Verhältnissen. Gegen eine geringe Bezahlung von circa 30 Euro erkaufen sich in Deutschland lebende Männer – und mittlerweile viele Sextouristen – Zugang zu Frauenkörpern. Prostitution schadet Frauen und Männern und stört die Gleichstellung der Geschlechter nachhaltig!
Der Landesfrauenrat Baden-Württemberg fordert die Herausgeber*innen des Positionspapiers  auf:
! in einen fachlich fundierten Austausch mit der schwedischen Regierung, Polizei und Wissenschaft einzutreten und die Erfolge des Nordischen Modells im Kampf gegen Menschenhandel und sexueller Gewalt gegen Frauen wahrzunehmen
! sich für eine schonungslose Analyse der Realität im deutschen Prostitutionsmarkt einzusetzen

Adressat*innen: Deutsche Aidshilfe e.V. – Deutscher Frauenrat e.V. – Deutscher Juristinnenbund e.V. – Diakonie Deutschland – Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. – Dortmunder Mitternachtsmission e.V. – Beratungsstelle für Prostituierte, Ehemalige und Opfer von Menschenhandel – contra e.V. Kiel – Fachstelle gegen Frauenhandel in Schleswig-Holstein im Frauenwerk der Nordkirche

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